
Die Bühnenmaschinerie der Wiener Staatsoper, der Elbphilharmonie in Hamburg und des Sydney Opera House hat einen gemeinsamen Absender: Waagner-Biro Austria Stage Systems GmbH aus der Wiener Donaustadt. Das Unternehmen plant, baut, montiert und wartet alles, was sich in einem Theater bewegt, von der Untermaschinerie über Podien und Züge bis zur Steuerung. Rund 200 Menschen arbeiten in der Gruppe, mehr als 100 davon in Wien. Projekte laufen in über 40 Ländern.
Bühnentechnik ist Maschinenbau mit wenig Spielraum für Fehler. Ein Podium, das ein mehrere Tonnen schweres Bühnenbild hebt, muss punktgenau stoppen, dabei leise bleiben und im Repertoirebetrieb über Jahrzehnte zuverlässig laufen. Waagner-Biro Austria Stage Systems deckt dafür die ganze Kette ab. Konstruiert und gefertigt wird der Stahl- und Maschinenbau, dazu kommen elektromechanische und elektrohydraulische Antriebe. Auch die Steuerung kommt aus dem eigenen Haus: C·A·T, seit 1987 entwickelt und laufend weitergebaut. Nach Unternehmensangaben bewegen sich weltweit über 20.000 Achsen unter dieser Technik.
Auftraggeber sind Opern- und Theaterhäuser, Konzertsäle und Mehrzweckhallen, zunehmend auch Kreuzfahrtschiffe und große Showtheater in Asien. Auf der Referenzliste stehen neben dem Sydney Opera House und der Wiener Staatsoper etwa die Malmö Opera und das Show-Theater am Taihu-See im chinesischen Wuxi. Das ist über weite Strecken Exportgeschäft. Die Oesterreichische Kontrollbank nannte 2019 eine Exportquote von 83 Prozent. Wer in der Inbetriebnahme oder im Service arbeitet, sieht deshalb Bühnenhäuser von innen, die sonst kaum jemand betritt.
Die Wurzeln reichen bis 1854 zurück, als Rudolph Philipp Waagner in Wien seine Eisenhandelsbefugnis erhielt. Den Doppelnamen trägt das Haus seit dem Zusammenschluss mit dem Betrieb von Anton Biró in den 1920er-Jahren, Bühnentechnik baut es seit mehr als 160 Jahren. Heute ist die Wiener Gesellschaft ein eigenständiges Unternehmen mit zwei Eigentümern zu je 50 Prozent und einer eigenen Tochter, der WBB Solutions GmbH.
In Wien sitzen die Fachleute für Konstruktion, Inbetriebnahme und Service ebenso wie das kaufmännische Projektmanagement, in dem Budgets und Termine der Großprojekte zusammenlaufen. Ein zweiter Gruppenstandort liegt im luxemburgischen Rodange. Neue Kolleginnen und Kollegen bekommen laut Karriereseite eine feste Ansprechperson aus dem Team, das Unternehmen nennt das Partner- und Mentorenprogramm. Zwei Tage Homeoffice pro Woche sind vorgesehen, Diensthandy, Notebook und Arbeitskleidung stellt der Betrieb. Laufende Umsatz- und Beschäftigtenzahlen veröffentlicht die Firma nicht; die jüngste öffentlich genannte Umsatzangabe stammt mit 74,5 Millionen Euro aus dem Jahr 2019. Die Zentrale steht in der Leonard-Bernstein-Straße im 22. Bezirk, öffentlich erreichbar und mit Parkplätzen am Haus.
Leonard-Bernstein Straße 10
1220 Wien
Österreich