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Zehn Kilometer nordwestlich von Leipzig, auf einem weitläufigen Parkgelände in Schkeuditz, kümmern sich rund 650 Beschäftigte um Menschen mit psychischen und neurologischen Erkrankungen. Dafür hält das Sächsische Krankenhaus Altscherbitz 355 vollstationäre Betten bereit, dazu fünf Tageskliniken und mehrere Ambulanzen im Leipziger Umland. Gegründet wurde das Haus 1876. 2026 wird es 150 Jahre alt.
Drei Kliniken teilen sich die Arbeit. Die größte ist die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, in der Akutbehandlung, Gerontopsychiatrie und Suchtmedizin unter einem Dach liegen. Die Neurologie betreibt eine eigene Intensivstation mit Stroke Unit und versorgt Schlaganfallpatienten rund um die Uhr. Hinzu kommt eine Klinik für Forensische Psychiatrie, die psychisch kranke Straftäter behandelt und damit einen Auftrag erfüllt, den längst nicht jedes Krankenhaus übernimmt. Ein interdisziplinäres Schmerzzentrum gehört ebenfalls dazu.
Nicht alles spielt sich in Schkeuditz ab. Tageskliniken und Ambulanzen gibt es auch in Eilenburg und Markranstädt, Medizinische Versorgungszentren betreibt das Haus in Leipzig und in Taucha. Wer hier arbeitet, bewegt sich also zwischen Klinik und wohnortnaher Versorgung. Zuletzt öffentlich genannt wurden rund 6.400 stationäre und teilstationäre sowie etwa 18.000 ambulante Fälle pro Jahr; das war zum 145. Jubiläum 2021, aktuellere Fallzahlen veröffentlicht das Krankenhaus nicht laufend.
Träger ist der Freistaat Sachsen. Altscherbitz ist eine obere besondere Staatsbehörde im Geschäftsbereich des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und eines von vier Sächsischen Krankenhäusern neben Arnsdorf, Großschweidnitz und Rodewisch. Vergütet wird nach dem Tarifvertrag der Länder. Das bedeutet planbare Gehaltsstufen, Jahressonderzahlung und tarifliche Regeln statt Verhandlungssache.
Die Berufe im Haus reichen weit über Medizin und Pflege hinaus. In den multiprofessionellen Teams arbeiten Ärztinnen und Ärzte, Psychologen und Pflegefachkräfte gemeinsam mit Kollegen aus Diagnostik, Therapie, Technik und Verwaltung. Ausgebildet wird direkt vor Ort: zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann, zur Kauffrau für Büromanagement und zum Fachinformatiker für Systemintegration. Ärztinnen und Ärzte können sich hier zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder für Neurologie weiterbilden, ein klinisch-wissenschaftliches Kolloquium und Zuschüsse zu externen Fortbildungen kommen dazu. Für Berufseinsteiger gibt es außerdem Plätze im Bundesfreiwilligendienst. Zum Angebot für Mitarbeitende zählen ein Zuschuss zum Jobticket, betriebliche Altersvorsorge, vermögenswirksame Leistungen und Sportkurse der betrieblichen Gesundheitsförderung.
Die Geschichte des Hauses ist ungewöhnlich. 1876 auf dem Rittergut Alt Scherbitz als Provinzial-Irrenanstalt eröffnet, wurde die Einrichtung unter Direktor Albrecht Paetz international bekannt: offene Türen statt Gitter, Pavillonbauten statt Verwahranstalt, Arbeit als Teil der Behandlung. An die rund 5.100 Patientinnen und Patienten, die in der NS-Zeit deportiert wurden oder an Hunger und fehlender Versorgung starben, erinnert das Krankenhaus jedes Jahr im Juni. Und die einstige Anstaltskirche auf dem Gelände dient heute als kirchliches und kulturelles Zentrum für die Region.
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